Was sich entfaltet, wenn wir wirklich lauschen...


„Listening“ ist in Azul die erste Qualität der vier Orientationen (es folgen: allowing, opening, moving towards)


„Listening“ ist eine sehr umfassende Qualität der Wahrnehmung und wachen Präsenz. Wir weiten unseren „Blick“, dehnen unsere Wahrnehmung aus und erfahren wer wir im Moment sind.

Im Deutschen gibt es auch das etwas altbackene Wort „horchen“…wir hören mit all unseren Möglichkeiten unserer Wahrnehmung hin. Möglicherweise gehen wir dies auch eher langsam, horchend in und um uns an.

Eine Art Spür-Tempo, das bei jedem Menschen wieder etwas anders sein kann. Eine Art entdecken, ein Hineinspüren, ein Nachspüren, ein Abtasten, ein Hinhorchen… ein Ausdehnen: unsere Kapazität, in den Körper und den Umraum hinein zu horchen.


Bei kleineren Kindern (siehe Bilder) ist dieses "ins Leben hinein horchen“ so wunderbar sichtbar…ihre ganz Haltung, bis in die Fingerspitzen, ist horchend und verbunden im und mit dem Moment.

Wir Erwachsenen, die jahrelange Sozialisierung durchlaufen haben, sind dagegen oft um vieles Ausdrucks-und Wahrnehmungs-schwächer.

Doch der Tanz lockt genau diese sichtbaren Qualitäten, den fast gleichzeitigen Tanz zwischen Ausdruck und Eindruck wieder aus uns hervor.


Wir werden zu unserem eigenen Instrument, welches sämtlichen Klängen in und um uns wieder einen Klang, eine Bewegung, eine Haltung verleiht. Wir werden zum Resonanzkörper und sind gleichsam die Musik dessen was wir hören: spüren, fühlen, gewahr sind.


Wir bauen horchend an der Brücke, die wir nicht immer spürbar zur Verfügung haben.

Die Brücke in dir, der Weg der alles verbindet: Verbindung mit der totalen Intimität des Lebens, mit dem Kontakt zu dir selbst und der Lebendigkeit um dich.


Das besonders Schöne beim lauschen ist, dass wir nichts tun müssen. Was aber nicht heisst, dass wir die Bewegung verstummen lassen- nein das Gegenteil ist der Fall: wir können gerade durch die Bewegung in ein noch tieferes, schwingendes Hören kommen: ein umfassendes „Hören“ das von all unseren Sinnen, jedem Millimeter unserer Haut, unserem Raumgefühl, dem Raum selbst und unserem Atem gespiesen ist.

Lauschen mit und über unseren ganzen Körper stimuliert andere Arten unserer Intelligenz weit über die kognitive und rationale Intelligenz hinaus.

Können wir uns dem Lauschen ganz hingeben, ganz leer werden, wird uns das Lauschen führen…es ist als würde Moment zu Moment geboren werden. Wir befinden uns in einer Leere, einer Art rezeptiver Stille in der wir jedoch hell wach sind und genau „wissen“ was kommt, es aber nicht voraus denken…eine Art Geburt von Moment zu Moment.


Dass diese so tief nährende Qualität des SEINS möglich wird, wir ganz offen sein können dafür, müssen wir Kontrolle los lassen. (Azul spricht die Qualität der bewussten Öffnung auch später nochmals an: listening, allowing, opening, moving towards)

Denn Kontrolle bewegt sich eher in der engen Wahrnehmung und hier geht es um graduelle, sanfte Weitung.

Darüber könnte ein eigener Artikel geschrieben werden… Wie auch über unsere unterdrückten (Ego-) Anteile die sich gerne übers Senden definieren und nicht übers Empfangen!

Doch hier möchte ich dazu sagen:

Die Kontrolle ist nicht ein Kleid, dass wir einfach ausziehen können. Lass dir Zeit und sei sehr sehr liebevoll mit dir und diesem Thema. Möglicherweise entsteht gerade ein jahrelanger Prozess oder du bist schon mitten drin! Es mag auch sein dass du darin ab und an Begleitung benötigst, dass kann dein Partner sein, eine liebe Freundin, Freund, Gruppen und Räume in denen du immer wieder experimentieren und erleben kannst, eine Einzelbegleitung…

Das afrikanische Sprichwort sagt es so treffend: „Gras wächst nicht schneller, wenn wir daran ziehen!“ Doch wir können den Boden achtsam und nährend bewirtschaften.

Und einfach mal mit horchen beginnen…und quasi deiner Nase der Wahrnehmung nachgehen! Ich bin sicher dein Körper und dein ganzes Wesen wird seinen ganz eigenen, wunderbaren Weg gehen…von Moment zu Moment.



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